Haushaltsrede von Stadtrat Ralph Ritter für die FW/PWG-Fraktion
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Mitglieder der Verwaltung,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen des Stadtrates,
wie uns allen bewusst ist, lebt die Stadt Alzenau seit Jahren über ihre Verhältnisse. Der
Schuldenstand hat inzwischen ein Niveau erreicht, das wir so nicht weiter akzeptieren
können und wollen. Daraus ergibt sich ein klarer Handlungsauftrag für uns als Stadträte. Ein
wichtiger Schritt waren die durchgeführten Klausurtagungen mit dem Ziel, Einsparpotenziale
zu identifizieren. In mehreren intensiven Sitzungen haben wir gemeinsam um Lösungen
gerungen. Das erzielte Ergebnis von rund 2,5 Millionen Euro ist ein Anfang – aber es
bleibt insgesamt deutlich hinter dem zurück, was notwendig wäre. An dieser Stelle möchte ich
ausdrücklich betonen, wie positiv die fraktionsübergreifende Zusammenarbeit in diesem
Prozess war. Alle Fraktionen haben konstruktiv mitgewirkt und ihren Willen zum Sparen
deutlich gemacht. Ebenso gilt mein besonderer Dank der neuen Kämmerin, die uns mit
umfangreichem und transparentem Zahlenmaterial versorgt hat. Diese fundierte Grundlage
hat eine sachliche und zielgerichtete Arbeit erst möglich gemacht. Der Ansatz und die Idee der
Klausurtagung waren somit richtig und wichtig. Allerdings ist festzuhalten, dass – trotz eines
entsprechenden Antrags der PWG – die jeweiligen Abteilungsleiter im Vorfeld nicht beauftragt
wurden, konkrete Einsparpotenziale auszuarbeiten. Hier wäre aus unserer Sicht ein noch
größeres Ergebnis möglich gewesen – möglicherweise sogar mit der Konsequenz, dass
Steuererhöhungen vermeidbar gewesen wären. Zum Haushalt selbst und zur Frage möglicher
Steuererhöhungen: Die PWG lehnt eine Erhöhung der Gewerbesteuer sowie der Grundsteuer
zur Schließung der aktuellen Haushaltslücke grundsätzlich ab. Es wäre aus unserer Sicht das
falsche Signal, unmittelbar nach der Wahl sowohl unsere Gewerbetreibenden als auch unsere
Bürgerinnen und Bürger zusätzlich zu belasten. Gleichzeitig erkennen wir die bestehende
Finanzierungslücke von rund 1,5 Millionen Euro an. Deshalb erklären wir uns unter einer klaren
Bedingung zu einer konditionierten Zustimmung bereit: Sollten sich die Grund- und
Gewerbesteuereinnahmen im ersten Halbjahr um mindestens 1 Million Euro über die
geplanten Ansätze hinaus verbessern, müssen die beschlossenen Steuererhöhungen wieder
auf das Vorjahresniveau zurückgeführt werden. In diesem Fall wäre der Verwaltungshaushalt
ausgeglichen. Zur geplanten Darlehensaufnahme im Vermögenshaushalt stellen wir fest:
Kredite dürfen nur dann und nur in der Höhe aufgenommen werden, wie sie tatsächlich
notwendig sind. Verbessert sich die finanzielle Lage – etwa durch Grundstücksverkäufe oder
andere Mehreinnahmen – lehnen wir eine weitergehende Verschuldung klar ab. Der im
Haushalt vorgesehene Kreditrahmen ist als maximale Ermächtigung zu verstehen, nicht als
Zielgröße, und sollte daher nicht ausgeschöpft werden. Um der Verwaltung trotz der prekären
finanziellen Situation unserer Stadt die notwendige Handlungsfähigkeit zu sichern, tragen wir
die Erhöhung des Kassenkreditrahmens auf maximal 10 Millionen Euro mit – wenn auch
zähneknirschend und mit größter Zurückhaltung. Dieser Rahmen sollte jedoch ausschließlich
der Absicherung einer möglichen Zahlungsunfähigkeit dienen und in der tatsächlichen
Inanspruchnahme deutlich darunterbleiben. Es muss uns allen klar sein: Der neue Stadtrat ist
gefordert, sämtliche Ausgaben und Strukturen konsequent zu überprüfen. Insbesondere diegroßen Kostenblöcke – Personal- und Sachaufwand – müssen kritisch hinterfragt werden.
Dabei wird es nicht ohne schwierige Entscheidungen gehen. Doch wenn wir den Haushalt
unserer Stadt nachhaltig konsolidieren wollen, führt daran kein Weg vorbei. Wir, die PWG,
stimmen dem vorgelegten Haushaltspaket zu. Eines möchten wir den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern der Stadt jedoch mit auf den Weg geben: Auch weiterhin sollte verantwortungsvoll
und sparsam mit den Steuergeldern umgegangen werden – so, wie es in der Zeit der
vorläufigen Haushaltsführung zwangsläufig erforderlich war. Eine konsequente Fortführung
dieses Kurses kann sich positiv auf die Haushaltsberatungen für das Jahr 2027 auswirken.
Zum Abschluss möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich für die Zusammenarbeit in der
zurückliegenden Legislaturperiode zu bedanken. Trotz unterschiedlicher Positionen war der
Umgang überwiegend sachlich und von gegenseitigem Respekt geprägt.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.